Frühere Stellungnahme

Die folgenden Texte werden von Kameraden des Blogs Arbeiterstimmen (https://arbeiterstimmen.wordpress.com), die nicht zu unserer Gruppe gehören, ins Deutsche übersetzt. Wir haben volles Vertrauen in die politische Ehrlichkeit dieser Kameraden und in ihre politische Fähigkeit, unsere Positionen zu verstehen und zu übersetzen, auch wenn sie sie nicht teilen. Sollte ein Leser dennoch Zweifel am politischen Inhalt dieser Texte haben, bitten wir ihn, sich auf die englische und französische Version zu beziehen.
Wir nutzen diese Gelegenheit, um den Genossen Arbeiterstimmen zu danken und begrüßen ihren politischen Ansatz für eine möglichst breite politische Reflexion und Debatte zwischen den Gruppen der Kommunistischen Linken.
Die internationale Gruppe der kommunistischen Linken

AccueilVersion imprimable de cet article Version imprimable

Pressemitteilung zu den Streiks in Frankreich (3. Januar 2020)

Die Streiks, die am 5. Dezember begannen, werden in einer Reihe von Sektoren, insbesondere im öffentlichen Dienst, fortgesetzt. Leser, die außerhalb Frankreichs leben, sollten beachten, dass es eine Mobilisierung gegen die Abschaffung der Rentensysteme zugunsten eines neuen Systems gegeben hat, welches das tatsächliche Renteneintrittsalter deutlich erhöht und die Renten erheblich, manchmal sogar um bis zu 30 %, kürzt. Der Streik lähmt weiterhin einen großen Teil des öffentlichen Verkehrs, vor allem in der Region Paris, trotz der Versuche, sowohl des Management und der Führungskräfte als auch der Polizei die streikenden Betrieben (hauptsächlich SNCF, nationale Züge und RATP, U-Bahn, Bus und einige Züge in der Region Paris) einzuschüchtern, unter Druck zu setzen und zu unterdrücken, vor allem während der Demonstrationen und Streikposten. Trotz der Provokationen der Regierung und der Medienpropaganda genießt die Bewegung laut Umfragen immer noch die Unterstützung und Sympathie einer Mehrheit der Bevölkerung [1].

Nach den zwei Wochen der Weihnachtsferien kehren die Lehrer am Montag, den 7. [Januar], aus den Ferien zurück. Das ist der gleiche Tag, an dem die Regierung alle Gewerkschaften empfangen wird. Die Tatsache, dass es seit dem 18. [Dezember] keine formellen Diskussionen oder Verhandlungen mehr gegeben hat, zeigt, dass die Regierung versucht hat, die Karte des Streikabbaus auszuspielen, ohne zu versuchen, die Situation und die erschöpfenden täglichen Härten von Hunderttausenden von Reisenden, die zur Arbeit gehen, zu lösen; und auf der anderen Seite die Streikenden in einen langen und anstrengenden Streik physisch und finanziell zu sperren - viele sind einen Monat im Streik, was einen Lohn weniger bedeutet! Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Regierung an diesem Montag einige kleine Zugeständnisse sekundärer Art an die so genannten "reformistischen" Gewerkschaften, die CFDT und die UNSA, machen wird, damit sie mit einem Minimum an Glaubwürdigkeit in den Augen ihrer "Basis" und "öffentlichen Meinung" zur Beendigung des Streiks aufrufen können. Wenn dies der Fall ist, werden die Medien über die Gewerkschaftsspaltung, das Abflauen des Streiks und den Rückgang der Streikenden berichten. Am Donnerstag, den 9. September, werden die ’linkesten’ Gewerkschaften CGT, FO, SUD, FSU, die sich in der Intersyndicale treffen, einen 4. Aktions- und Demonstrationstag "interprofessionell" organisieren. Je nach dem Ausmaß der Beteiligung am Streik, insbesondere im Bildungswesen, oder sogar in anderen Sektoren, und dem Ergebnis der Verhandlungen am Montag wird der Tag des 9. entweder das Ende, oder den Beginn des Endes des Streiks, und das Scheitern der Mobilisierung um die Regierung zum Rückzug zu bewegen, oder aber... eine Umverteilung der Karten, eine Umwälzung des Formationen der Kräfte, die sich bei dieser Mobilisierung gegenüberstehen. Aber dann so würden wir denken, dass die treibende Kraft des aktuellen Streiks, die Eisenbahner und die RATP-Arbeiter, die erschöpft sind, von Anderen, oder anderen Branche übernommen werden muss.

Wie ist es dazu gekommen? Wie ist der Verlauf des Kampfes bis heute und was waren die verschiedenen Kämpfe, die verschiedenen Episoden? Und welche Intervention machten die Revolutionäre, oder sollten sie gemacht haben, je nach den verschiedenen Situationen und Momenten?

Im vorherigen Kommuniqué vom 8. Dezember [2] haben wir, nachdem wir an den internationalen Kontext des Kampfes und der Volksaufstände, in dem wir uns heute befinden, erinnert hatten, versucht, den Prozess darzustellen, der vom Massenstreik bei der RATP am 13. September bis zum Tag der Gewerkschaftsaktion am 5. Dezember und dem Beginn des erneuten Streiks führte. Insbesondere haben wir an die Bedeutung erinnert, die die Verlängerung des wilden Streiks im TGV-Wartungszentrum Châtillon SNCF Ende Oktober, dem wiederum eine dreitägige Unterbrechung des nationalen Verkehrs nach einem Unfall vorausging, hätte haben können: Sie hätte den Gewerkschaften die Initiative und die Kontrolle über den Kampf abgenommen, indem sie den Aktionstag am 5. Dezember vorweggenommen hätte. Das Ende dieses Streiks, ’siegreich’, weil die Betriebsleitung den lokalen Forderungen nachgab, schloss diesen Moment ab und gab den Gewerkschaften tatsächlich bis zum 5. und sogar bis zum 10. [Dezember] die freie Hand zurück. Wir schlossen dieses Kommuniqué mit der folgenden Erklärung ab, die sich bis heute bestätigt zu haben scheint:

"Sicherlich haben die Bourgeoisie und ihre Gewerkschaften die Kontrolle über die Situation; insbesondere und ganz sicher wird dies zwischen jetzt und Dienstag und Mittwoch geschehen. Dennoch ist der Kampfwille stark und es wurde eine Art Armdrücken mit der Regierung betrieben. Und hier kann auch das Proletariat in eine Sackgasse geraten. Das Risiko für alle Proletarier besteht darin, einfach und passiv zu warten in der Hoffnung, dass die Verkehrsblockade die Regierung zum Nachgeben bringt, anstatt offen in den Kampf einzutreten." https://arbeiterstimmen.wordpress.com/2019/12/17/zu-den-streiks-in-frankreich/#more-2564

Vom 10. bis 17. Dezember...

Der Aktionstag am 10. Dezember sah eine geringere Beteiligung an dem Streik und den Demonstrationen als am 5. Dezember (800.000 Demonstranten gegenüber 1,5 Millionen laut CGT). Unseres Erachtens erklärt sich dieser Rückgang der Beteiligung größtenteils aus dem Mangel an wirklichen Aussichten auf eine Verallgemeinerung der Bewegung über die traditionell kämpfenden Sektoren hinaus (vor allem Eisenbahnarbeiter). Am Ende des Tages schien es, dass die Kontrolle der Situation durch den Staat, vor allem durch die Regierung und die Gewerkschaften, weiter verstärkt worden war... bis der Premierminister am selben Abend sprach.

Während alle erwarteten, dass er einige Zugeständnisse ankündigte (wie die Rücknahme des Schlüsselalters [3]), die die "gemäßigten" Gewerkschaften schnell begrüßt hätten, um eine Rückkehr an die Arbeit zu fordern, bekräftigte er das ganze Projekt in seiner jetzigen Form, zum großen Missfallen der CFDT, die sich dann gezwungen sah, sich dem für den 17. geplanten Aktionstag anzuschließen. Wir können hier nicht auf die möglichen unmittelbaren Gründe, Taktiken, Ungeschicklichkeiten usw. für eine solch kompromisslose Haltung zurückkommen. Andererseits wissen wir, dass die nationalen Bourgeoisien aufgrund der Krise und der wirtschaftlichen Situation des Kapitalismus objektiv gesehen ihren ’wirtschaftlichen und finanziellen’ Handlungsspielraum erheblich eingeschränkt haben.

Es schien uns damals, dass sich das "Fenster" der seit dem 5. geschlossenen Erweiterung - wenn auch zaghaft - wieder öffnete. Aus diesem Grund haben wir unser Flugblatt de 11. [Dezember] Alles, was man tun kann, um den Privatsektor in den Kampf einzubeziehen, verteilt! [4] :

"Die Arbeiter des privaten Sektors einbeziehen, ermutigen und ihnen helfen, sich am Kampf und am Streik zu beteiligen, ist die jetzige Priorität wenn wir die Regierung zum Rückzug bewegen wollen! Die Blockierung des Transports wird nicht ausreichen. Der Stellvertreterstreik, der das gesamte Gewicht des Kampfes weitgehend allein auf die Eisenbahner und die Beschäftigten der RATP legt, kann nur in einer Sackgasse und zu der Erschöpfung der Streikenden führen. Das Zeitfenster das sich öffnet, die Gelegenheit, die Möglichkeit, den Streik auf die Proletarier des privaten Sektors auszudehnen, ist immer noch da. Zumindest bis zum nächsten Dienstag, dem 17., und den heutigen Demonstrationen. Danach ist es durchaus möglich, dass der Streik, der sich auf die Eisenbahner und die Beschäftigten der RATP reduziert, auf einen ’Arm-in-Arm’-Ringen reduziert wird, der kein anderes Ziel hat, als so lange wie möglich zu dauern. In diesem Spiel werden die Bourgeoisie und der gesamte Staatsapparat am stärksten sein. Sie werden die Situation kontrollieren, wenn auch nur über die Gewerkschaften, und können warten, bis sich der Kampf erschöpft hat. Genau wie das mit den Bahnarbeitern im Jahr 2018 geschah."

Unser Flugblatt wurde überall dort, wo es verteilt wurde, sehr positiv aufgenommen [5]. Aber wir waren nicht die Einzigen, die diesen Slogan der Ausdehnung auf den privaten Sektor vorgebracht haben. Vor allem zahlreiche auf lokaler oder regionaler Ebene organisierte interprofessionelle Versammlungen, die sich zum großen Teil aus Streikenden, aber auch aus Nichtstreikenden zusammensetzen, haben sich diese Ausrichtung zu eigen gemacht und versucht, sie durchzusetzen: Streikposten (insbesondere an den Busbahnhöfen der RATP), Delegationen und Verteilung von Flugblättern an Unternehmen, Blockierung bestimmter Häfen (Le Havre, Rouen...) oder Industriezonen, Agitation für den Streik in Einkaufszentren, Straßendemonstrationen, entweder auf Stadt- oder Stadtteilebene, Abhaltung von Versammlungen, die allen offen stehen, usw.. In der Tat hat sich in diesen Organisationen eine mehr oder weniger offene Opposition gezeigt zu der Ausdehning zwischen basisgewerkschaftlichen Apparaten und ein Teil der Beteiligten an diesen Versammlungen. In gewisser Weise reproduzierte sich die Opposition, die zwischen den "wilden" Streikenden im Instandhaltungszentrum von Châtillon Ende Oktober und der Gewerkschaft SUD entstanden war (vgl. unser Kommuniqué vom 8. [Dezember]), im Wesentlichen in identischer Weise: die einen versuchten, die Fristen der Aktionstage zurückzubringen, d.h. auf gewerkschaftlichem Gebiet, und die anderen versuchten, diese gewerkschaftliche Kontrolle über die Höhepunkte und Orientierungen des Kampfes selbst zu brechen.

Es bleibt die Tatsache, dass die Ausrichtung der "nationalen" Ausweitung und Verallgemeinerung in dieser Zeit nicht stattfand und das trotz der so wichtigen Teilnahme an dem Streik und den wichtigen Demonstration des 5 [Dezember]. Der Tag des 17. [Dezember] kam tatsächlich dazu dieses offene Fenster zur Verallgemeinerung des Streiks zu schließen. Als das Risiko vorüber war (zumal drei Tage später die hochmobilisierten Lehrer in Urlaub gingen), drängte die Bourgeoisie sich sofort ihren Vorteil zu holen: Am selben Abend kündigte die Regierung die Wiederaufnahme der Gespräche mit den Gewerkschaften den ... 7. Januar an. Die UNSA und die CFDT erneuerten ihren Aufruf zu einem weihnachtlichen Waffenstillstand, kurz gesagt, um den Streik zu beenden. Und die Intersyndicale legte ihrerseits einen vierten Aktionstag fest... 9. Januar! Die Verschiebung dieser Termine, insbesondere des für den 9. festgelegten Aktionstages, wurde von vielen Versammlungen der Streikenden als eine echte Sabotage der Mobilisierung erlebt - was die Entwicklung von lokalen Versammlungen und ’Interprofessionellen’-Initiativen weiter stärkte.

Die zwei Wochen Ferien

Zwei Wochen lang waren die Streikenden fast allein, auch im Fernsehen und in den Medien. Da die Lehrer zwei Wochen lang in Schulferien waren und einige der Proletarier aus der Provinz sich ebenso sehr um die Familienfeiern wie um die Mobilisierung, Weihnachten und Neujahr mitten in der Woche kümmerten, konnte die Regierung sicher und provokativ ihren eigenen Auszug in Urlaub, zusammen mit dem Verschwinden der Gewerkschaftsführer, zur Schau stellen. Während der Streik weiterging! Die Streikenden hatten keine andere Wahl, keine andere Perspektive, als bis zum 9. Januar durchzuhalten und durchzuhalten und durchzuhalten, Tag für Tag, und dabei eine Menge Energie in diesem Kampf zu verbrauchen, der sie jeden Tag ein wenig mehr einkesselte. Aber es geht nicht nur um die Streikenden. Es ist auch das gesamte Proletariat in Frankreich, seine großen Massen, die in der Privatwirtschaft arbeiten, ob Industrie, Handel oder Dienstleistungen, die sich mit den Streik durch "Stellvertreter" begnügt haben, die wollten dass die Eisenbahner und andere so lange wie möglich durchhielten, ihnen sogar ihre Sympathie brachten, die aber nicht in der Lage waren, sich ihnen in offenen Streik anzuschließen.

Unser Flugblatt und die direkte Intervention für die Erweiterung verlor damals jede Aktualität, seine Orientierungen und Schlagworte jede Wirksamkeit. Es war notwendig, unser direktes Eingreifen an die Entwicklung der unmittelbaren Machtverhältnisse in diesem Kampf anzupassen, das heißt an den relativen Erfolg der Bourgeoisie, mit dem Ziel die Streikenden der SNCF und der RATP vor allem, während diese nicht die Einzigen waren, in einem langen Streik einzusperren.

"Wir geben hier das Flugblatt wieder, das die IKP-Le Prolétaire derzeit verteilt und das gestern Abend datiert wurde. Wir teilen deren Positionen, die Analyse der unmittelbaren Situation und die Kampfausrichtungen, die die Kommunisten in diesen Tagen, d.h. in der Weihnachts- und Neujahrswoche, trotz der Feiertage und der Sabotage der Gewerkschaften vorbringen müssen. Insbesondere der Aufruf, heute, in diesem Moment, nach der Episode, die am 17. [Dezember] zu Ende ging, die Organisation von Streikkomitees, interprofessionelle Generalversammlungen, Streikposten usw. zu organisieren. ’um die Bewegung zu erweitern und zu vereinheitlichen’. Wir laden alle ein, die seine Orientierungen teilen, dieses Flugblatt um sich herum und in den Generalversammlungen und Demonstrationen zu verbreiten. Die IGKL, 22. Dezember 2019".

Es schien uns damals, dass das Gewicht der Intervention auf "lokale Initiativen", wie die interprofessionellen Versammlungen, gelegt werden musste, um die Gruppierung der kämpferischsten Arbeiter am besten zu fördern, damit sie sich organisieren und den Kampf gegen gewerkschaftliche Manöver führen können; sogar um eine oder mehrere lokale, geographische Ausdehnungen durchführen zu können. Für uns entsprachen die Orientierungen, die das IKP-Flugblatt vorlegte, den damaligen Notwendigkeiten des Kampfes:

"Gegen diese offene oder nicht offene Sabotage von den Gewerkschaftsapparaten, die vollständig in das bürgerliche Schlingen der Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung integriert sind, liegt die Rettung nur in der Organisation des Kampfes auf Klassenbasis. Vielerorts wurden bereits Streikkomitees eingerichtet, um den Kampf zu führen, es werden ‘interprofessionelle’ Generalversammlungen abgehalten, um die Bewegung über die Unterschiede von Beruf und Betrieb auszudehnen und zu vereinheitlichen, es werden effektive Streikposten aufgestellt, und die Streikenden rufen zu Tagen der nationalen Mobilisierung auf, um die Blockade der Apparate zu umgehen. Diese Initiativen sind immer noch begrenzt, aber sie weisen den Arbeitern den Weg nach vorne in den gegenwärtigen und zukünftigen Kämpfen gegen alle bürgerlichen Angriffe” (IKP-Flugblatt, 21. Dezember).

Jetztt scheint es uns, dass diese Ausrichtung mindestens bis Montag [6. Januar] beibehalten werden soll. In dieser Zeitspanne, die morgen mit ’lokalen’ Demonstrationen enden wird, zu denen hauptsächlich von der SUD und vielen lokalen oder betrieblichen Sektionen der CGT aufgerufen wurde, wurden die Mobilisierung und verschiedene Initiativen lokaler Art fortgesetzt. Gleichzeitig haben sich die Repressionen sowohl an den Streikposten als auch bei den Demonstrationen verschlimmert. Gerade gestern in Paris zum Beispiel, durch die Polizei und insbesondere durch die RATP-Leitung. Die (relativen, aber wachsenden) Spannungen zwischen Streikenden und Nichtstreikenden geben die Bourgeoisie das Gefühl, dass sie heute, da die Situation unter Kontrolle ist, anfangen kann, über eine noch stärkere Repression nachzudenken und eine möglichst breite und tiefe Niederlage herbeizuführen.

Realität, Schwierigkeiten und Grenzen von Streikversammlungen und interprofessionellen Generalversammlungen

Wir haben festgestellt, dass sich eine mehr oder weniger offene Opposition innerhalb der "Basisorganisationen", der Streikenden-Versammlungen, der interprofessionellen Versammlungen usw. herausgebildet hat. Wir stellten auch fest, dass einige unserer Korrespondenten die Tatsache bedauerten, dass nachdem 17. und 18. Dezember im IKP-Flugblatt eine gewisse Kritik an den Gewerkschaften geäußert wurde. Es ist in der Tat schwierig, die Führung des Streiks offen in Frage zu stellen, während der Streik seit einem Monat auf Kosten finanzieller Opfer und eines permanenten Energieaufwands läuft. Die Versammlungen der Streikenden und der anderen sollten jedoch nicht in einer Abfolge von Interventionen zusammengefasst werden, in denen jeder erzählt, dass sein Arbeitsplatz seit dem 5. [Dezember] mit x% gestreikt hat, dass alle entschlossen bleiben und dass der Streik bis zum Ende halten wird. Hinzu kommt der Applaus, der diese scheinbar freiwilligen, energischen und radikalen Deklamationen unterstreicht. Es ist leicht, sich inmitten “Überzeugten” beruhigt zu meinen. Das kann angenehm und warm sein. Aber es reicht nicht, um den Kampf und den Streik effektiv zu gestalten. Die Versammlungen müssen die Orientierungen und Entscheidungen diskutieren, debattieren und entscheiden, indem sie die verschiedenen Vorschläge konfrontieren. Ansonsten werden sie der Kontrolle und dem guten Willen der Gewerkschaftsapparate, einschließlich der die der Basis, überlassen. Und die Tatsache, dass über den Streik täglich formell abgestimmt wird, ändert nichts. Hier sind Auszüge aus einem Interview einer Streikenden der SNCF, das auf der Website Paris-luttes info (https://paris-luttes.info/le-nombre-est-la-mais-il-manque-13200) veröffentlicht wurde und das ziemlich gut die Opposition, die wir oben in den Generalversammlungen festgestellt haben, und die Schwierigkeiten, mit denen das Proletariat im Kampf auch heute noch bei dieser Mobilisierung konfrontiert ist, aufzeigt.

"Im Depot von Vaires-sur-Marne bei der Hauptversammlung gibt es eine ganze Reihe von Leuten, von 50 bis 200, und wir sind offen für andere Sektoren im Kampf, Lehrer, RATP, Krankenhausarbeiter, Postbeamte... Wir haben sehr schnell das Streikkomitee von Vaires-sur-Marne gegründet, das sich zweimal pro Woche trifft, um Aktionen vorzuschlagen, es war für alle offensichtlich: der Streik gehört den Streikenden und niemandem sonst. Dies ermöglicht es, den Streik auch außerhalb der Pariser Gewerkschaftsdemonstrationen zu beleben. (...). Wie dem auch sei, wissen wir von den landesweiten Hauptversammlungen nicht genau, was die bringen. Es ist schade, denn 1986 gab es ein zentrales Streikkomitee, eine nationale Koordination, die es uns ermöglichte, alle Informationen über die tatsächliche Zahl der Streikenden zu sammeln, aber auch die etwas radikaleren Operationen zu koordinieren. In der Region Ile-de-France wird jetzt ein Streikkomitee gebildet, das aber noch viele Einschränkungen hat. (...).

- Was halten Sie von den Koordinierungsversuchen, wie z.B. der AG interpro, die in Paris stattgefunden haben? Ich habe das Gefühl, dass sie weitgehend auf Militante (Trotzkisten, Autonome, Gewerkschafter) beschränkt bleiben und um ihre Expansion kämpfen... [Frage von Paris-Luttes Info].

- Ja, wie ich bereits sagte, die interprofessionellen Versammlungen und die verschiedenen Koordinationen haben ihre Grenzen, auch wenn der Wunsch, den Streikenden einen demokratischen Ort der Vereinigung und des Zusammentreffens zu geben, positiv ist. Tatsache ist, dass wir dort immer die gleichen Leute finden, die gleiche Gewerkschaftler, Autonome, politische und andere Aktivisten. Es stellt sich die Frage, wie diese Koordinationen bzw. GV [General Versammlung] ausgeweitet werden können, wenn die meisten Menschen ein verstärktes Misstrauen gegenüber der Kooptiation und Einkapselung haben. Wer profitiert davon? Wir werden niemals etwas gewinnen, wenn wir, egal in welcher Organisation wir tätig sind, nicht in der Lage sind, Sachen in Frage zu stellen und die Initiative anderen überlassen müssen, wenn wir nicht so viele Menschen wie möglich dazu zu bewegen, ihre Ideen zu äußern, damit die Texte die Frucht einer gemeinsamen Äußerung sind, und so weiter. (Interview mit T., Eisenbahnarbeiterin und gelbe Weste, Paris-luttes-info, 31. Dezember 2019, von uns hervorgehoben).

Diese Erfahrung scheint uns die oben beschriebene Richtung zu bestätigen, zumindest bis Montag. Die Intervention der Revolutionäre sollte heute in diesen Versammlungen konzentriert werden, um, wie das IKP-Flugblatt zeigte, die Energien und die wichtigen Minderheiten der Proletarier, ob Streikende oder nicht, die weiterhin mobilisiert sind, zu sammeln. Konkreter gesagt und mit dem Näherrücken einer Woche, in der mit großer Wahrscheinlichkeit die letzten Kämpfe ausgefochten werden, wäre die Fähigkeit dieser Minderheiten, Tausende von Proletariern neu zu gruppieren und auf nationaler Ebene zu zentralisieren, ein erster Schritt zu einer Alternative zum Verhängnis dieser Mobilisierung, an der die Gewerkschaften arbeiten. Wie die Genossin in Paris-luttes-info sagt, würde der Entwurf einer nationalen Koordination, oder zumindest anfänglich regionaler, lokaler Koordinationen, es diesen erlauben, einen nationalen Aufruf zu machen, Anträge zu verabschieden, Flugblätter für die Verlängerung des Streiks zu verteilen, während der Demonstrationen mit ihren eigenen Parolen unter ihrem Banner zu marschieren und, besonders in der heutigen Zeit, die Gewerkschaften für die wahrhaftige Richtung des Kampfes anzufechten.

Das ist also, wo wir heute, am Freitag, den 3. [Januar], in diesem proletarischen Kampf, sind. Zusätzlich zu dem Ziel, die größte Anzahl von Menschen in Frankreich sowie Genossen in anderen Ländern und Kontinenten zu informieren, legen wir diese Analyse der Entwicklung des Streiks und die Anpassung unserer Intervention - zugegebenermaßen begrenzt wegen unserer schwachen, sehr schwachen Kräfte in Frankreich - entsprechend den Momenten und Bedürfnissen des Kampfes allen Proletariern und den kommunistischen und revolutionären Gruppen vor.

Die IGKL, Freitag, 3. Januar 2020.

PS. Letzte Minute: Im Moment der Veröffentlichung dieses Kommuniqués haben wir gerade erfahren, dass die Intersyndicale einen weiteren Aktionstag am Samstag, den 11. [Januar], zwei Tage nach dem Tag des 9., zufügt, ’um die Proletarier des Privatsektors, die nicht streiken, einzubeziehen’, so die Gewerkschaften. Wir können derzeit nicht sagen, ob dieser neue Gewerkschaftliche [Aktions] Tag eine Reaktion auf einen starken Andrang der Arbeiter in dem Privatsektort ist und versucht die lokalen Versuche und Initiativen der interprofessionellen Generalversammlungen und anderer für die Ausweitung des Streiks kurzzuschließen, oder ob er nur darauf abzielt, ein mögliches Ende des Streiks zu beschleunigen.

Noten

[1] Noch heute, und nach den Umfragen der Bourgeoisie, unterstützen mehr als 50% der französischen Bevölkerung die Streikbewegung, nur 35% sind dagegen, und 15% sprechen sich nicht aus.... Mehr als 70% der arbeitenden Bevölkerung unterstützen den Streik!

2] http://www.igcl.org/Communique-sur-les-greves-en.

[3] . Jeder könnte mit 62 Jahren in Rente gehen, aber mit einem ’lebenslangen’ Abschlag auf die Rente von 5% pro fehlendem Beitragsjahr - 42 Jahre werden benötigt - bis zum Alter von 64 Jahren. Tatsächlich wird das effektive Alter auf mindestens 64 Jahre erhöht.

4] http://www.igcl.org/Tout-faire-pour-aider-le-prive-a-s.

[5] Auch wenn uns einige, insbesondere Eisenbahner, die das Flugblatt reproduziert haben, berichtet haben, dass sie bei einigen Treffen die mehr oder weniger offene Feindseligkeit der Gewerkschafter oder sogar deren Versuch, die Verbreitung zu verhindern, ertragen mussten.

Accueil